Container ships & falling stars

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"The pessimist complains about the wind, the optimist hopes that he turns, the realist straightens the sail." (S.W.Ward)

Die Menschheit trinkt jeden Tag zwei Milliarden Tassen Kaffee. Mit Genuss gehöre ich dazu. Die Avontuur segelt über den Atlantik, um für einen sozialen Wandel und für ökologische Nachhaltigkeit in der Schifffahrtsindustrie zu werben. Saubere und emissionsfreie Handelswege sind unser Ziel mit bis zu 114 Tonnen Tragfähigkeit segeln wir. Die erste Zwischenstation, Teneriffa, haben wir nach 37 Tagen unter Segel auf See erreicht. Heute, den 27.02.20, nach 4 Tagen, laufen wir wieder aus. Der Antritt zur Atlantiküberquerung steht in wenigen Stunden bevor.

Allen 15 Köpfen an Bord schwebt der Gedanke „Mission Zero“ im Geiste, seit Anbeginn der Expedition. Wie konsumieren wir richtig? Welche Handelswege sind künftig tragfähig? Welchen Preis zahlen wir für unseren Konsum? Andere Menschen trinken keinen Kaffee, überleben dennoch und scheinen wohl auch glücklich und gesund zu sein. Was ist der Preis, der hinter unserem Kaffee steht? Was bedeutet Qualität?
Der Weltmarktpreis liegt bei ca. 1,06 $ pro Pfund Rohkaffee, angemessen wäre minimal das Zweieinhalbfache. Noch werden die Produzent*innen ausgebeutet, im Preis gedrückt (Filmtipp „Billiger Kaffee“ – YouTube). Das Ergebnis ist die Zerstörung unserer Umwelt, unserer Lebensgrundlage.
Fahren wir unsere Ellbogen so weit aus, dass unter unserem Genuss alle folgenden Generationen leiden müssen? Der globale Handel wird aktuell mit über 90 Prozent über Containerschifffahrt betrieben. Schwimmende Giftmüllriesen (schwerölbetriebene Frachter) ziehen tagtäglich mit tausenden Containern beladen an unserem Segelschiff vorbei. Vermutlich sind sie mit Spielwaren, Kleidung, Alltagsgegenständen, eingeschweißten oder gespritzten Produkten aus Übersee beladen. Auch mit feinen Produkten, wie Kakao und Kaffeebohnen.

Die Schifffahrtsindustrie hat noch einen langen Weg vor sich, um dringend notwendige Veränderungen, hin zum umweltbewussten Handeln, zu bewirken. Seit 1. Januar 2020 ist die IMO (International Maritime Organisation, Maßnahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zur Verringerung der Meeresverschmutzung) in Kraft getreten. Diese wurde 2004 eingebracht, 2008 angenommen von der Resulotion und hat nach 15 Jahren endlich einen kleinen Schritt in die richtige Richtung geschafft. Ein zäher, langer Prozess. Ab sofort dürfen in der industriebetriebenen Schiffahrt Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,5 Prozent verwendet werden. Zuvor lag die Schwefelobergrenze bei 3,5 Prozent. Immernoch ist dieser Gehalt hundertfach höher als der aktuelle Wert für unseren LKW- und PKW-Betrieb. Mit der Umsetzung der IMO wird der ökologische Fußabdruck nur geringfügig verbessert und ist eine kurzfristige Lösung. Denn noch ist kein Ende in Sicht, laut IMO wird der CO2-Austoß in der Schiffahrtsindustrie bis 2050 um 50% bis 250% ansteigen. Damit stehen wir an einem Scheidepunkt. Wir dürfen und müssen schneller, bewusster und realistischer auf unseren wachsenden Konsumhunger reagieren.
Mir kommt dazu ein Song meiner Kinder in den Sinn: „Pflanzen sterben, Menschen sterben, Tiere sterben auch. Das Leben, das wir leben, ist nur ein kleiner Hauch. Wir wollen nicht nur faul sein und in der Ecke sitzen. Wir wollen rausgehn, schwitzen und unsere Umwelt schützen“, verfasst durch die Schüler*innen der Saaleschule. Unsere Kinder wünschen sich aktives Handeln zum Besseren hin.
Sind wir bereit, alte Gewohnheiten abzulegen und neue Wege, neue Möglichkeit zu evaluieren?
Lebenswürdige Bedingungen für alle? Unser Sinn darf und muss sich auf den Erhalt, Schutz und Wiederaufbau unserer Umwelt, mit all ihren Lebewesen ausrichten. Neue berufliche Perspektiven wären dabei ein positiver Beigeschmack, eine zukunftsfähige Gesellschaft die Folge. Verteilung ist nicht nur eine Frage in Handelswegen, es geht um die Existenz aller. Wie groß kann der Wunsch werden? Für eine saubere Zukunft, einen würdevollen Umgang mit allen Kreaturen dieser Erde.

Ein Balanceakt hin zum Bewusstsein den wir bewirken können, wenn wir wollen. Für eine ausgewogene Existenz gilt es die Wertschätzung unserer Ressourcen, Ozeane, Naturgewalten, Tier- und Pflanzenwelt wiederzuentdecken.
Worin liegt der Anfang? Eine Option darf die Kaffeebohne, als Luxusgut sein. Begonnen haben wir, der Weg führt uns auf den Pfad der „Mission Zero“.
Zuversichtlich richte ich meinen Blick nach vorn. Unter unserem nächtlichen Himmelszelt mit vereinzelt aufleuchtenden Sternschnuppen setze ich meine Reise auf den tiefblauen Wassern dieser Erde fort.
Eine Herausforderung mit Vorbildwirkung, die noch am Aufkeimen ist. Segelfracht am Beispiel unserer Voyage 5, ein Projekt, dass sich in der Weiterentwicklung befindet und auf Unterstützung einer bewusst agierenden Gesellschaft setzt (Handelspartner*innen und Konsument*innen).
Dafür bin ich mit der Timbercoast, der „Avontuur“ (zu deutsch Abenteuer) dem einzigen Segelfrachter Deutschlands unterwegs. Wir scheuen keine Herausforderung für eine saubere Umwelt, eine lebenswürdige Zukunft.
Die Segelwaren sind Kaffee, Kakao und Rum aus biologischer Herkunft, mit persönlichen Handelsbeziehungen und fairen Preisen für die Produzent*innen. In sechs Monaten wird es so weit sein, dass ich mit Jens Klein (Café Chavalo, 10 Tonnen Kaffee) selbst wieder an Land Kaffee trinken und genießen darf.
Zurück ans Steuer, „Peggy, all hands on deck (Alle Hände an Deck), die Windrichtung hat gedreht, Segel neu ausrichten“.

Danke an alle Unterstützer*innen, besonders an Timbercoast and Café Chavalo

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